Moskau- Die Stadt der Schönen und Reichen

3 Tage Moskau, Russland

Flug von Düsseldorf nach Moskau Sheremetyevo ca. 3,5 Stunden

 


Tag 1:

Es ist noch nicht lange her, als ich als Fazit meiner Baltikum Reise schrieb, dass ich sicher nicht das letzte mal im Osten unterwegs war, dass es mich vielleicht mal noch etwas weiter ziehen wird um die Matrjoschka zu besuchen... Ja und da bin ich nun.

In Russland, in Moskau. Mein Flugzeug nähert sich dem Boden, um mich herum ist nun im Januar alles weiß. Hier hat es geschneit und 11 grad unter dem Gefrierpunkt warten auf mich und meine Nase, die doch so schnell zu frieren beginnt :).

Genauso habe ich es mir vorgestellt: Nach der Landung piept es, das Anschnallsignal erlischt.. die russischen Frauen stehen auf.. zunächst wird der Pelzhut aufgesetzt, dann folgt der Pelzmantel. Wenn es kein Pelzmantel ist, ist es ein Daunenmantel der beinahe bis zu den Knöcheln reicht. Auch die Männer tragen Kopfbedeckungen, eine schöner als die andere. So ist es nicht nur in den Büchern und Filmen. Nein, es ist echt! Hier bin ich richtig!

Da wollen wir mal! Mit dem Aeoroexpress geht es innerhalb von 35 Minuten in die Innenstadt, wo ich mit der Metro die Reise fortsetze. Leichter gesagt als getan. Schnell merke ich, dass verlässliche Beschilderung, Wegweiser in für mich verständlicher Sprache und Hilfestellung der Passanten rar gesät sind. Wenn man dann aber einmal den Eingang der Metro gefunden hat und man gefühlte 300 m Rolltreppe hinunter in die Erde gefahren ist, macht man sich ganz langsam vertraut mit dem Netz der unterirdischen Bahnen. Die Wege zu den Bahnen wirken majestätisch auf mich. Es hängen Kronleuchter an den Decken und die Wände sind liebevoll verziert. Eine Straßenmusikerin singt einen russischen Song, zu denen die Damen auf der Rolltreppen laut mitsummen! Wie schön!

Mein Hostelzimmer im Boutique-Hotel Venice in my heart ist so klein, dass sich der Koffer nur auf dem Bett öffnen lässt. Aber ich bin mit allem versorgt, was ich brauche und freue mich auf das was kommt. Januar in Moskau, das authentische Russland.

 


Tag 2:

 

Über die Nacht ist noch mehr Schnee dazu gekommen. Ich packe mich warm ein und glaube noch im Hostel mal wieder maßlos zu übertreiben, als ich mich vor Kleidung kaum noch bewegen kann. Aber draußen fühlt es sich herrlich an der Kälte standhalten zu können. Überall sind Schneemaschinen und fleißige Männer im Einsatz, die die Straßen und Bürgersteige vom Schnee befreien. Ich stiefele durch die Straßen, wohin ich gehe, weiß ich nicht so recht.. Richtung dem Zentrum der Stadt... Denn ich möchte noch an der Basilika sein, bevor alle anderen Touristen eintreffen und den Ort befallen.

Die Häuser innerhalb und außerhalb des Stadtkerns sind ausgesprochen gepflegt, sie sind in hellen Pastellfarben gestrichen. Kein Haus ist in meinen Augen hässlich oder nicht ansehnlich, egal ob alt oder neu, es wirkt stilvoll und die Straßen am Sonntag irgendwie ruhig... und das in Russlands Hauptstadt?! Ich kann es nicht anders sagen.

Ob es ein Kaufhaus, ein Souvenirladen oder ein McDonald’s ist.. überall sind Frauen damit beschäftigt den Boden auf Hochglanz zu bringen, auf Sauberkeit wird hier bekanntlich besondere Wertigkeit gelegt. 


 

Ich besuche die Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt.

Die Basilius-Kathedrale mit ihren bunten Zwiebeltürmen ist das Wahrzeichen der Stadt. Über einen Wintermarkt auf dem Roten Platz toben die ersten Kinder und lassen sich vor den kitschig bunten Lichtern und Figuren fotografieren. Seit 1990 gehört der Rote Platz zum UNESCO-Welterbe. Hier grenzen auch die östlichen Mauern des Kremls

 

Das Bolschoi-Theater in Moskau ist eines der bekanntesten Orte für russische Opern und Ballett. Ich selbst war in keiner Vorstellung, und habe mir das Schmuckstück nur von außen angesehen. 


Nachdem ich im Warenhaus GUM, eines der teuersten Kaufhäuser der Welt, nicht zugeschlagen habe, suchte ich mir in einem Souvenirladen eine kleine Matrjoschka aus. Die verschiedensten Farbzusammenstellungen machen es mir nicht leicht, doch schon bald wird die Entscheidung gefällt. Ein dunkelrotes Püppchen wird also im Winter meinen Weihnachtsbaum zieren :). 


Am Abend auf dem Heimweg riecht es auf den Straßen überall lecker deftig, nach angebratenen Zwiebeln und Speck! Und ich stelle mir die Frauen mit gemusterten Schürze und großem Kochlöffel vor dem Herd dazu vor.


Tag 3:

Nach dem Frühstück mache mich wieder zu Fuß auf den Weg...dem Gorki Park zum Ziel. Nachdem nun der grobe Schnee von der Straße gekehrt wurde ist heute gefühlt ganz Moskau damit beschäftigt die Häuserdächer vom Schnee zu befreien und in großen Lastern wird dieser hinaus aus der Stadt gefahren. Ich verschätze mich hier oft, was die Wege angeht und sie scheinen auf der Karte kürzer als sie tatsächlich sind. Der Gorki Park ist wie in Puderzucker umhüllt. Hier gehen die Touristen, aber zum Großteil auch die Einheimischen spazieren und genießen die grüne (oder weiße) Oase der Stadt.

Um 13.00 Uhr habe ich vorab eine Schiffstour über das Internet gebucht um mir Moskau vom Wasser aus anzusehen. Blöd nur, wenn sich mal wieder der Eingang der Metro nicht finden lässt und Einwohner selbst das Wort Metro nicht verstehen können oder wollen. Da irrt sie nun über die Straßen, mit mobiler Karte UND Faltkarte zur Hilfe... ich versuche den ´Strom´ der Menschen auszumachen, was mir irgendwann dann gelingt. Oh man, es könnte doch alles so einfach sein, sowas ist mir auch noch nicht passiert.

Nachdem ich aus der Metro ausgestiegen bin, kamen mir auf dem Weg noch zwei rote Ampeln mit Wartezeit von 120 Sekunden in die Quere. Die Sekunden werden angezeigt und heruntergezählt, nichts für schwache Nerven sei an dieser Stelle gesagt. Die Situation, dass es in Moskau wohl lebensgefährlich wäre, die Straße bei rot zu überqueren, ließ mich also fast meine Fahrt mit dem Ausflugsdampfer verpassen. Aber nein, etwas erwärmt komme ich um 12.58 Uhr an und nehme auf einem roten Stuhl des edlen Innenraums der Flotte von Radisson-Cruise platz. Als ich nun nur ein Wasser und ein Cappuccino bestelle, werde ich zunächst etwas komisch angesehen, aber alle anderen Gäste schienen genug für mich mitzuessen :P. Das Schiff hat Eisbrecher, sodass es auch im dicksten Winter über die Moskwa schippern kann. Wir schieben also fleißig Eisscholle für Eisscholle zur Seite...ein paar Enten scheinen sich hier dennoch wohl zu fühlen. Ich treffe einen Freund, der zeitgleich beruflich auf einer Messe in der Stadt ist. Der erste Deutsche, den ich seit Ankunft in Moskau hab sprechen hören. Dabei sind wir doch sonst überall!

Meine Zeit in der Stadt nähert sich dem Ende und zurück in meiner ´Zelle´ angekommen (so nenne ich mein kleines Zimmer liebevoll), lese ich noch etwas und lasse mir die Tage noch einmal durch den Kopf gehen.


Fazit:

Eine russische Stadt war für mich ganz neu und der Trip ist bisher mit keinem anderen zu vergleichen.

Russland ist doch eigen: Die Mentalität, die Mischung aus altmodisch/ edel/ traditionell/ prunkvoll/ kitschig, die Mode, die Sauberkeit, die Temperaturen.

Ich bin begeistert von der Stadt, ohne dass ich genau greifen kann, was mich dort so beeindruckt hat. Es wird die Atmosphäre sein, die man spürt, wenn man durch die Straßen läuft. Im oberen Bereich habe ich die Russen vielleicht als etwas mürrisch beschrieben. So ist es nicht. Sie wirken eindeutig eher distanziert, doch wenn man sie anlächelt, erhält man vereinzelt ein scheues Lächeln zurück. Sie zeigen sich durchweg zuvorkommend und höflich, halten einem die Türe auf, ein junger Mann trug mir meinen Koffer eine lange Treppe hinunter. Die Russen wirken auf mich wie ein verschlossenes Buch, im Umgang miteinander und ´unter sich´ zeigen sie sich sichtlich humorvoll und herzlich. Auf den Straßen ist oftmals zu beobachten wie Frauen sich gegenseitig unterhaken und gemeinsame Wege gehen.

Dass in Moskau aber wirklich kaum wer in der Lage oder bereit dazu ist die englische Sprache zu sprechen, hatte ich unterschätzt. 

Aufgrund der russischen Schrift, die hinzukommt, stand ich immer wieder vor kleinen Herausforderungen, bei denen Kreativität und Umdenken gefragt war. 

Überall in der Stadt lässt sich problemlos mit der Kreditkarte bezahlen, auch wenn es nur minimale Beträge sind. Nachdem ich mich auf ein teures Preisniveau eingestellt hatte, war ich verwundert darüber wie günstig das Bahnfahrten und auch Preise für zum Beispiel Kaffee waren. Ein Cappuccino hat umgerechnet selten mehr als zwei Euro gekostet. Bargeld, also Rubel, habe ich somit gar nicht benötigt.

Was die glutenfreie Ernährung vor Ort angeht, muss ich gestehen, war ich nicht sehr experimentierfreudig. Die Zutatenlisten der Lebensmittel sind in der Regel ausschließlich nur auf russischer Sprache deklariert. In Cafés und Restaurants gibt es teils englische Menükarten, Allergenenkennzeichnung habe ich allerdings nur einmal finden können. Aufgrund der Barriere über Schrift und Sprache, war ich etwas vorsichtig und habe mich die wenigen Tage mit Haferflocken, Brot und Joghurt eigenständig versorgt und unterwegs mal Kleinigkeiten wie mit Käse gefüllte Champignons oder einen Salat gegessen. Schade eigentlich, denn ich glaube die deftige Küche vor Ort, wäre ganz nach meinem Geschmack gewesen.

Die Anbindung in der Stadt ist super. Wenn man einmal den Zugang der Metro gefunden hat :D, stehen einem alle Wege offen. Eine einzelne Fahrt kostet 55 Rubel und das Umsteigen von einer Richtung in die nächste ist kostenfrei. Alle zwei Minuten in etwa kommt je Strecke eine Bahn und langes Warten ist hier fremd. 

Ich habe die Stadt alleine bereist und habe mich als Frau nie unsicher oder unwohl gefühlt. 

Die Reisezeit Dezember/Januar/Februar würde ich persönlich jedem nur ans Herz legen, Moskau im Winter zu erleben ist toll! Denn wo gibt es in der heutigen Zeit noch den richtigen Winter?! Also: Thermowäsche eingepackt, Flüge erkunden, Schnäppchen schießen und ab die Post zum flächenmäßig größten Land der Erde!