Bom Camhino - Meine Reise auf dem Jakobsweg

 

 

8 Tage Portugal/Spanien

Caminho Português

Porto - Lavra - Vila de Conde - Rates - Pondevetra - Caldasde Reis - Padron - Santiago de Compostela

= 250 km / 150 km Fußweg 

Vorinformation:

Wir fliegen von Amsterdam mit dem Flugzeug nach Porto. 

Insgesamt bleiben uns eine Woche Zeit für unser Abenteuer auf dem Jakobsweg, wovon wir zunächst einmal die Stadt Porto kennenlernen möchten. Ein Wochenende in der Stadt und 5 Tage zu Fuß auf dem Jakobsweg... insgesamt 150 km liegen vor mir, durchschnittlich eine Laufstrecke von 30 km am Tag. Ich, gemeinsam mit drei Freunden, meinem Rucksack, meinen Turnschuhen, der Sonnencreme, dem Pilgerpass und meinem Lächeln. 

Wir entscheiden uns bewusst für den portugiesischen Jakobsweg, da dieser zu einem großen Teil direkt an der Küste verläuft. Da die Gesamtstrecke von 250 km bis nach Santiago de Compostela für uns in 5 Tagen nicht zu meistern ist, lassen wir uns in der Mitte der Strecke von Portugal nach Spanien mit dem Zug voranbringen, denn wir möchten weder das Meer in Portugal noch das Einlaufen in DIE Stadt der Pilger verpassen.

Der portugiesische Weg ist ideal für Einsteiger dieser Art von Urlauben. Die Route verfügt über ausreichend Unterkünften, der Weg ist flach und leicht zu bewältigen und er ist nicht so überlaufen wie der französische Hauptpilgerweg. Dennoch entscheiden sich mittlerweile rund 15 % aller Wanderer für diese wunderschöne Alternative. 

Ein kleiner Reiseführer namens ´Outdoor- der Weg ist das Ziel- Caminho Português´ von Raimund Joos ist mein Wegbegleiter und nicht wegzudenken. Die Strecken sind anschaulich beschrieben, man kann sie vorab planen, auch Unterkunftsmöglichkeiten ausmachen und mir hat er viel Sicherheit mit auf den Weg gegeben. 

Zur glutenfreien Ernährung kann ich sagen, dass ich mich auf dieser Reise hauptsächlich von Snacks ernährt habe, die ich mir vor Ort gekauft habe, die Supermärkte in Portugal und Spanien sind sehr gut aufgestellt (die Datteln sind zu empfehlen, zu lecker und energibringend!). Abends gab es dann zumeist Salat in einem der kleinen Restaurant oder auf dem Campingplatz.


Tag 1:

Unser Flugzeug landet erst um 17.50 Uhr in Porto. Nur 16 km sind es mit der Metro bis in die Innenstadt, sodass der Abend bleibt um anzukommen, sich den Sonnenuntergang anzusehen, etwas essen und trinken zu gehen, mit Livemusik am Hafen den Urlaub einzustimmen. The Porto Concierge-Antero Quentral Residence ist unser Unterkunft für die zwei Nächte in Porto.  


Tag 2:

Porto ist eine mittelgroße Küstenstadt im Westen von Portugal mit ungefähr 216000 Einwohnern. Die Stadt hat unheimlich viel zu bieten: Die bunten, alten Häuser, die vielen verwinkelten Gassen, tolle Kirchen, die Nähe zum Wasser, frischen Fisch, einiges an neugierigen Möwen und guten Wein. Der Portwein hat seinen Namen dieser hübschen Stadt zu verdanken. Seit dem Jahr 1996 zählt die Stadt zum UNESCO-Weltkulturerbe. An der Kathedrale von Porto kaufen wir uns einen Pilgerpass, mit dem es dann bald losgehen kann.  Über die beindruckende Brücke Ponte Luis I kommt man auf die überliegende Seite und der Blick auf die Altstadt ist überragend. Alles in der Stadt lässt sich wunderbar zu Fuß erreichen. Aber denkt dran: Eure Füße werden die nächsten Tage noch benötigt :). 


Tag 3:

Unterkunft - Kathedrale Porto = 2,5 km

Sooo, ich bin aufgeregt, die erste Etappe steht bevor. Rein in die bereits vorab gut eingelaufenen Turnschuhe (die Wanderschuhe sind mir tatsächlich zu warm und viel zu schwer). Da ich körperlich nicht so trainiert bin, wie manch anderer hatte ich vor meinem Weg ordentlich bedenken. Aber wie heißt es so schön: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. 

Startpunkt ist die Kathedrale, in der ich mir am Vortag noch den Pilgerpass geholt hab, es gibt den ersten Stempel und mit den Worten ´Bom Caminho´ (übersetzt: Guten Weg) geht es auf, raus aus der Stadt.  

 

 

Kathedrale Porto - Lavra = 23,5 km

Man läuft Immer dem Fluss entlang, bis wir schließlich das offene Meer erreichen. Die vielen Strandbars lässt man vielleicht besser außenvor. Je weiter man von der Stadt wegkommt, desto mehr lässt man die Industrie hinter sich und umso schöner wird die Küste.

Vorbei an vielen Anglern geht es weiter. Entgegenkommende Menschen begrüßen mich mit einem Lächeln und auch hier mit den Worten Bom Caminho und man fühlt sich in diesem Land willkommen. 

Wir übernachten auf dem Campingplatz Lavra. 

 


Tag 4:

 

Lavra - Vila do Conde = 9,7 km

Früh am Morgen dusche ich mich kurz ab, um zügig wach zu werden und mich schon bald, ganz nach dem Motto ´Der frühe Vogel fängt den Wurm´ wieder auf den Weg zu machen. Ich fühle etwas meinen Rücken, meine Füße, aber sobald man sich etwas eingelaufen hat hat die Jammerei schnell ein Ende. Der Weg geht durchweg an der Küste entlang. Und auch wenn ich mich auf dem Holzweg befinde, fühlt es sich ganz richtig an. Die Sonne lacht mir entgegen, ich höre die Wellen rauschen und nach den ersten Kilometern gönne ich mir ein leckeres Rührei und einen viel zu starken, aber guten Kaffee. 

 

Überall auf dem Weg begegnen wir Einheimischen, und obwohl wir uns mitten in der Karwoche befinde kaum Touristen oder andere Pilger. Teils winken uns die Portugiesen schon von weitem zu, es wirkt als seien sie sehr stolz auf ihr Land. 

Der Weg führt an einige Dörfer und Aussichtspunkten vorbei und die Jakobsmuschel als Wegweiser ist immer wieder am Straßenrand zu finden...egal ob auf dem Boden, an einer Mauer, an einem Pfal...die Muschel begleitet uns. 

 

Vila do Conde - Acros = 13,5 km

Von der Küste in Vila do Conde geht es ins landinnere bis nach Acros. Das Wasser ist dennoch nicht weit, immer wieder überquere wir den Fluss. 

Die Übernachtung im Quinta Sao Miguel de Arcos ist die pure Wohltat nach einem aktiven Tag.  

Aber nein, bevor es zur Entspannung übergeht ist hier an dieser Stelle das Cafe Barbosa zu nennen. Es ist so ziemlich das einzige was das Dorf Arcos zu bieten hat, aber definitiv das Beste :). Ein einfacher Kiosk, ein kleines Restaurant, viel mehr nicht...so sieht es von der Straße aus. Was jedoch dahinter steckt ist bei weitem mehr. Wir als junge Touristen wurden liebevoll aufgenommen und haben an diesem Abend unheimlich viel vom tollen Team des Cafes und den einheimischen Stammgästen lernen dürfen: Rhythmus, Feuer, Temperament, Bescheidenheit, portugiesische Lieder und den ein oder anderen Tanz. Das Glas Wein schmeckte fantastisch, an die flambierte portugisische Wurst hab  ich mich nur kurz  einmal herangetraut.  

Dieser Abend wird so schnell nicht vergessen- kurzweilig dachte wohl jeder von uns darüber nach vielleicht einmal nach Acros auszuwandern :).  

                                           Vielen Dank an Abilio und seine Crew.


Tag 5:

Nach einer kurzen Nacht ließen wir uns früh am Morgen vom  Taxi abholen und nach Nine bringen, wo wir in den Zug einsteigen. Mit einem Umstieg in Vigo Guixar fährt uns die Bahn auf bequemen Weg nach Pontevedra… und gleichzeitig von Portugal nach Spanien, wir überqueren die Grenze. 

In Pontevedra suchen wir uns zunächst einmal einen Supermarkt, stärken uns mit Obst, Milchreis aus dem Kühlregal und Plätzchen. Abwechslungsreiche Ernährung wird hier großgeschrieben ;). Dafür entscheiden wir uns aber vor Ort spontan gegen die Weiterfahrt mit dem nächsten Zug und laufen die nächsten Etappen zu Fuß, denn dafür waren wir schließlich auch angereist.

 

Pontevedra - Portela = 11,2 km

Portela - Briallos = 6,3 km

Briallos - Tivo = 3 km

Tivo - Caldas de Reis = 1,9 km

 

Pontevedra hat eine unheimlich reizvolle Altstadt. Es gibt einige Plätze wo die Menschen plaudernd zusammensitzen und das Leben vollkommen genießen, so macht es den Anschein. 

Scheinbar sind uns der ein oder andere Wegweiser dadurch gegangen, wir haben uns verquatscht, sind über Umwege aber dann doch nach einem langen Tag im Hotel Sena in Caldas de Reis angekommen. Die Ortschaft Caldas de Reis ist noch heute für seine Termalquellen sehr beliebt. Anstatt in der Thermalquelle zu baden, habe ich an diesem Abend gefühlt in Pferdesalbe und Tigerbalsam gebadet, was auch wohl bitter nötig war. Aber ich ging jeden Abend richtig zufrieden und bereichert, erschossen ins Bett, ein herrliches Gefühl wenn ihr mich fragt. 


Tag 6:

Caldas de Reis - O Pino (Valga) = 9,4 km

O Pino (Valga) - Pontecescures = 6,6 km

Pontecesures - Padrón = 5,9 km

Die Etappen dieses Tages verlaufen zu einem Großteil durch den Wald und es gab sogar die ein oder andere kleine Steigung. Direkt zu Beginn des Tages lagen am Straßenrand auf einem kleinen Tischchen Jakobsmuscheln, die man sich als Pilger mitnehmen durfte und die auf der weiteren Reise begleiten sollten. Na das ließen wir uns natürlich nicht zweimal sagen, und vier Muscheln hatten eine neuen stolze Besitzerin. 

Wir laufen, und laufen und laufen...doch die Gesprächsthemen gehen uns noch lange nicht aus. Die Temperaturen sind sehr angenehm, nicht zu kalt und nicht zu warm. 

Das Ziel des Tages ist Padrón, nach Santiago ein weiterer bekannter Ort für Pilger, die Jakobuskirche geht auf das 15. Jahrhundert zurück. Padron ist am Fluss gelegen und die Ortschaft bietet eine Reihe an Unterkünften und Restaurant. In einer kleinen Bar stießen wir am Abend mit einem leckeren Cider auf den Tag an. 

Wir übernachten im der Herberge Rossoll im Schlafsaal.                                 


Tag 7:

Padrón - Teo = 10,5 km

Teo - Santiago = 14,6 km

Wie dann doch wieder die Zeit vergeht, der Tag an dem wir Santiago de Compostela erreichen sollen ist angebrochen. Die letzten Kilometer haben es nochmal in sich und spätestens jetzt tummeln sich so langsam die Pilger auf den Wegen (ohne dass diese überfüllt sind). Die letzten Kilometer werden am Straßenrand alle 100 m hinuntergezählt und es kommt innerliche Aufregung zustande. 

Gegenseitig motiviert man sich auf den letzten Metern, es liegt eine unheimliche Euphorie in der Luft und lange liegt die Kathedrale fürs Auge noch versteckt vor einem, bis sich eine gewaltiger Platz eröffnet, bunt besäht von eine Unmenge an Pilgern, die sich vor der Kathedrale am Ziel feiern und in den Arm schließen. Der Weg ist geschafft und es ist ein unglaubliches Gefühl... auch für meine Füße, denn es war an der Zeit meine Schuhe auszuziehen. 

 

Auch wenn es nur 5 Tage waren, die 150 km Strecke für den ein oder anderen ein Klacks gewesen wären, bin ich stolz auf mich, die Zeit und den Weg, den ich zurückgelegt habe.

 

Santiago de Compostela ist der bekannteste Wallfahrtsort Spaniens und seit 2000 eine Kulturhauptstadt Europas. Eine lebendige Stadt mit einem regen Angebot an Straßenmusik und unzäligen Kneipen. Leider war die Kathedrale zu Besuch verkleidet, da Sanierungsarbeiten stattgefunden haben. Dennoch, das hat dem Ganzen keinen Abbruch getan. In dieser Stadt kommen Menschen der verschiedensten Nationen zusammen, viele aus dem gleichen Beweggrund. Und irgendwie hat es den Anschein, als würde man sich mit allen anderen Menschen in dieser Stadt verbunden fühlen.

Unsere letzte Nacht verbrachten wir im Ferienhaus Mama Blanca

 



Tag 8:

Über die Buslinie Eurolines lassen wir uns Nonstop in gut vier Stunden Fahrtzeit von Santiago zum Flughafen nach Porto bringen, um von dort zurück nach Hause zu fliegen. Bom Camhino- Es war ein besonderer Weg!


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Fazit:

Der Weg ist das Ziel...

An diesem Satz ist tatsächlich viel dran. Ich bin dieser Reise nicht aus religiöser Intention nachgegangen, viel mehr ging es mir darum unterwegs und aktiv zu sein, meine Grenzen zu testen und auch die Zeit mit meinen Freunden zu verbringen. Tolle Gespräche und Begegnungen sind zustande gekommen, man motiviert sich gegenseitig, ich habe die zwei Länder sehr bewusst wahrgenommen, man fühlt sich für einen kleinen Moment als Teil von ihnen und am Ende der nur wenigen Tage haben wir unter uns Freunden diesen Weg als große Gemeinschaft verlassen. Ich würde sagen, das ist ein passendes Fazit!

Dennoch glaube ich, dass der Jakobsweg auch alleine oder mit dem Bike eine tolle Erfahrung sein kann. 

Man muss für diesen Weg nicht sportlich sein. Natürlich ist die tatsächliche tägliche Laufstrecke immer höher als in der Route angedacht und beschrieben, aber sie ist mit durchschnittlich 30 Km am Tag, mit Sonnenschein und Hab und Gut bepackt, gut zu bewältigen. Für mich war es die perfekte Balance zwischen Unter- und Überforderung. Voraussetzung ist dennoch gutes Schuhwerk und ein geeigneter Rucksack. Den Tipp meiner lieben Oma meinen Rücken und meine Arme zwischenzeitlich immer wieder auszupendeln habe ich mir sehr zu Herzen genommen und war goldwert.

Es gibt selten Reisen die mich in dieser Form begeistert haben. Für wenig Geld, wenige Urlaubstage und kurze Flugstrecke habe ich einen großen Mehrwert für mich gewinnen können. Es lohnt sich!