Baltikum- Zu den Perlen der Ostsee

Rundreise Baltikum 12 Tage

- Lettland, Estland, Litauen -

Riga, Nationalpark Gauja-Sigulda, Tallinn, Nationalpark Lahemaa, Tartu, Vilnius, Trakai, Kleipeda, Kurische Nehrung, Kap Kolka, Jurmara

= 2388 km

 

Tag 1:

Erst spät am Abend landet unser Flugzeug von Köln in Riga, wo es schnurstracks ins Seagulls Garret Hostel geht, in dem wir die ersten zwei Nächte unserer Reise übernachten werden. Wir gehen früh schlafen, um am nächsten Tag früh startklar zu sein!

Ich habe keine konkrete Erwartung an das Baltikum, möchte mich überraschen lassen vom Osten Europas, den ich bisher nicht kannte. 


Tag 2:

Raus aus den Federn und ab in die Stadt, auf erste Erkundungstour. Heute steht Lettlands Hauptstadt auf dem Programm. Rigas Altstadt besteht aus vielen kleinen Pflastergassen und wenn man so ganz ziellos durch den Kern bummelt fühlt man sich teilweise in die Zeit des Mittelalters zurück versetzt. Die Stadt prunkt mit viele historische Gebäuden auf. Davon ist die Petrikirche mit ihrem 123,25 m hohen Turm wohl das bekannteste - der Weg nach oben und die auf dich wartende Skyline lohnt sich. Aber auch der Dom zu Riga, das Schwedentor und der Pulverturm gehören zur Stadt dazu. 

Was man unbedingt gesehen haben muss ist der Zentralmarkt. Hier, in der überdachten Markthalle, pulsiert das Leben! Hier gibt es noch richtige Marktschreier, Händler die ihre Ware unters Volk bringen möchten. Das Angebot ist vielseitig, es gibt kaum etwas, was es nicht gibt: Thunfisch in Konserven, Eintöpfe, frisches Obst und Gemüse, Fisch und passend zur Jahreszeit etliche Pilze. Und irgendwie fühle ich schnell, wie nah ich mich doch an Russland befinde...und ja, dass Riga früher zu Russland gehörte. Es ist schwer zu beschreiben woran ich dies festmache, die Mode, der Trubel, das Aussehen, die Atmosphäre...ohne Russland zu kennen, scheint es mir als wäre ich dem Land ´nahe´. Es ist interessant. Ich laufe von Stand zu Stand und amüsiere mich über die Sprache, bei der vieles an Gemüse mit ´i´ endet, Gurke= Gürki, Salat= Salti :). 


Tag 3:

Riga- Nationalpark Gauja/ Sigulda = 55 km, 55 Minuten

Raus aus der Stadt geht es in die Natur! Der Nationalpark Gauja besteht aus herrlichen Kiefernwäldern und jede Menge Burgen. Wir fahren wir mit der Seilbahn um das Tal aus der Vogelperspektive zu betrachten, besuchen die Gütmana Höhle mit ihren vielen Wandgemälden und spazieren im Anschluss durch das Museumsreservat Turaida.  

 


 

 

Während man durch die Bischofsburg Turaida läuft, fühle ich mich, als würde ich Teil eines Märchens sein. Dass es solche Burgen tatsächlich gab, bzw. gibt...Man kann die Burgtreppen hinauflaufen und den Ausblick über das ganze Gelände genießen. 

Wer hier richtig aktiv werden möchte, kommt voll und ganz auf seine Kosten: Wandern, Fahrradfahren, Kanufahrten und auch Seilbahn-Bungeespringen ist hier im Nationalpark möglich. 

Wir übernachten im Guesthouse Bucefals.


Tag 4:

Nationalpark Gauja/ Sigulda- Tallinn = 218 km, 2 Stunden 45 Minuten

An der Küste entlang geht es von Lettland nach Estland bis hinauf nach Tallinn. Bis dahin warten aber einige tolle Zwischenstopps auf uns! Das Dorf Saulkrasti scheint derzeit noch ein Geheimtipp, hat einen weiten, breiten Sandstrand. Die Felsküste von Vidzeme hält immer wieder sagenhafte Ausblicke bereit und das Highlight sind die Roten Klippen von Veczemju. In Salagriva kehren wir im urigen, kleinen Kambize ein um einen warmen Tee zu trinken. Seefahreratmosphäre ist hier versprochen!

Pärnu ist der bedeutsamste Badeort Estlands, Einheimische betiteln Pärnu sogar als das ´Miami Estlands´. Außerhalb der Saison ist es hier aber gemütlich und ruhig, der Strand steht im Mittelpunkt der Stadt und lädt zu langen Strandspaziergängen ein. 

In Tallinn angekommen übernachten wir zwei Nächte im 16eur-Fat Magret

 


Tag 5:

 

 

 

Tallinn ist wunderschön und für mich die schönste Stadt im Baltikum. Hier warten alte Kaufmannshäuser, verwinkelte Innenhöfe, Menschen in Bauernkleidung und hinausragende Kirchturmspitzen auf uns. Die Stadt hat unheimlichen Charme, hier fühle ich mich wohl!

Auf der alten Stadtmauer kann man  entlang flanieren und tolle Fotos von den Dächern der Stadt schießen. 

Ein Café ist hübscher als das andere, viele junge Menschen verwirklichen hier ihre Ideen. Man gönnt sich einen Kaffee und lässt die Atmosphäre der Stadt auf sich wirken. 

Im Restaurant Aed werden sagenhafte glutenfreie Speisen angeboten. Und den Nachtisch, ein Schokoladenparfait, dürft ihr euch keineswegs entgehen lassen. Im Clayhills Gastropub, einem angesagten Pub in der Altstadt, lassen wir den perfekten Tag bei Livemusik ausklingen. 



Tag 6:

Tallinn - Nationalpark Lahemaa = 125 km, 1 Stunde 40 Minuten

Der Nationalpark Lahemaa ist ein 725 km² Reservat aus Küste und unberührter Landschaft, unzählige Pflanzen- und Vogelarten sind hier zu Hause. 

Wir machen uns auf den Weg durch den Nationalpark und kommen zunächst zu zwei besonders hübschen Gutshäusern. Das Gutshaus Palmse ist gelb, heute komplett restauriert und das Herz des Nationalparks, indem auch das Besucherzentrum untergebracht ist.

Das Gutshaus Sagadi hingegen ist rosa, die umliegenden Gärten sind außerordentlich gepflegt. Wir begegnen vor Ort im Park kaum einer Menschenseele, alles wirkt so ruhig und beschaulich. 

Besonders gut gefallen hat mir das Fischerdorf Altja. Hier sind noch zahlreiche traditionelle Häuser aus Holz zu finden und in einer alten Kneipe gibt es Tee aus kleinen Tonkrügen und gesalzene grüne Bohnen als ´Snack für Zwischendurch´.

Der Holzpfad Oandu, ein 4,5 km langer Rundweg, lädt zum Wandern ein. Auch hier fühlen wir uns am Ende der Welt fast alleine, und die Sorge einem Wildschwein oder einem Elch näher zu kommen, als einem lieb ist, ist vorhanden :). Aber nein, keines dieser Tiere zeigt sich. Es kommt schlimmer...Eine Art Zecken-Fliegen-Mischung macht sich breit und fällt immer wieder von den Bäumen auf uns hinab, sie krabbeln, scheinen sich in Haar, Kleidung festzukrallen und sind fürchterlich ekelig :). Somit wurden wir von Kilometer zu Kilometer immer schneller und  freuten uns nur noch auf unsere Dusche...mir krabbelt es heute noch in Gedanken daran. 

Mit der Vosu Gästewohnung erwartet uns ein Holzhaus über zwei Etagen, super niedlich eingerichtet mit einer Menge Platz für einen gemütlichen Abend bei Nudeln mit Tomatensoße :). 


Tag 7:

Nationalpark Lahemaa - Vilnius (über Tartu) = 700 km, 9 Stunden

Dieser Tag wird autoreich! Aber zum Reisen gehört es auch dazu voran zu kommen, und um viel zu sehen, muss man manchmal auch gewissen Distanzen in Kauf nehmen. Und ja: Wir sind ja noch jung, nicht wahr :). Also suchen wir uns ein nettes Café in der Studentenstadt Tartu für einen Zwischenstopp, schmeißen das Radio an und suchen uns Gesprächsthemen, mit denen die Zeit doch wieder schnell vergeht!

In Vilnius checken wir für die nächsten zwei Nächte im Jamaika Hostel ein. 


Tag 8:


Vilnius- nach Riga und Tallinn die dritte Hauptstadt im Bunde. Vilnius hat sich nach dem Krieg ordentlich entwickelt und wurde 1994 zum Unsesco-Kulturerbe erklärt. Die barocke Stadt ist einfach zu erkunden, der Kern ist kompakt und die Sehenswürdigkeiten sind bequem zu Fuß zu erreichen. Vom Gediminas-Berg lässt sich die Stadt wunderbar von oben betrachten und man sieht wie Alt- und Neustadt voneinander gespalten sind. Der große Kathedralenplatz ist der Mittelpunkt und ein Gang durch die Altstadt lassen vergangene Jahrhunderte plötzlich ganz lebendig werden. Die Annenkirche ist die schönste Kirche Vilnius. 

Das Szenezentrum Uzupio Republika fand ich total interessant. Hier haben Litauer mit rebellischer Neigung eine unabhängige Republik gegründet. Die Verfassung mit 41 Artikeln ist für jeden an einer Hauswand einzusehen. Mit besprühte Wände, Kunstgalerien und Handwerksläden zeigt sich der kleine Staat ordentlich kreativ, er wächst und wächst und wird immer trendiger. 


Tag 9:

 

Vilnius - Inselburg Trakai = 30 km, 32 Minuten

Die gotische Burg Trakai ist unübersehbar und ein Highlight Litauens, welches auch viel von Schulklassen aufgesucht wird. Sie ist aus Backstein und um 1400 entstanden. Ein großer Wassergraben umgibt die Burg, sie ist über die Fußgängerbrücke zu erreichen. Die Burg lässt sich von innen besichtigen und fast fühlt man sich wie ein kleiner Ritter.

 

Inselburg Trakai - Siauliai =  250 km, 2 Stunden 40 Minuten

Nördlich von Siauliai liegt der Berg der Kreuze. Abertausende Kreuze in jeder Ausführung stehen hier auf dem Hügel zusammen. Kreuze aus Holz, Kreuze aus Metall, verzierte Kreuze, einfache Kreuze, groß und klein, teuer und günstig...hier darf jedes Kreuz stehen. Und wenn man mag kann man sein eigenes mitbringen oder an dem davorstehenden Souvenirstand erwerben. Viele Kreuze gedenken verstorbenen Angehörigen oder Freude und das Bestreiten des Weges über den Hügel ist irgendwie ein eigenartiges Gefühl. 

Siaulia - Klaipedia = 170 km, 1 Stunde 50 Minuten 

Klaipedia -  Nida = 50 km, 1 Stunde 30 Minuten (inklusive Fährüberfahrt)

Das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss. Vom Festland geht es auf die Kurische Nehrung! Hier wollte ich immer schonmal sein. Und es beginnt einfach nur perfekt: Als wir die Fähre noch gar nicht lange verlassen hatten und auf der Hauptstraße unterwegs sind, wird diese prompt von zwei Elchdamen überquert. 

Was haben wir für ein Glück! Einen Elchen in der freien Natur zu sehen, das war schon ein kleiner Wunsch von mir, der gerade in Erfüllung gegangen war. So schnell wie sie gekommen sind, waren sie natürlich auch wieder verschwunden. Aber für ein schnelles Foto reichte es. Und ihr dürft mir glauben, den Wald habe ich in den nächsten Minuten nicht mehr aus den Augen gelassen - auf der Suche nach einem großen, männlichen Elch :). 

Direkt am Wasser wartet unsere Unterkunft Inkaro Kaimas auf uns. Auf der Suche nach der Vermieterin oder einem hinterlegten Schlüssel fällt uns unser neuer Nachbar auf. Wie es im Buche steht, steht der alte Mann in seiner blauen Latzhose mit kleinem Bierbauch auf der Leiter und ist dabei sein rotes Holzhaus neu zu lackieren. Als er uns sprechen hört, sucht er vorsichtig den Kontakt "Wie schön, ihr seid deutsch! Ich heiße euch willkommen!" Wir staunten nicht schlecht, erinnern uns dann aber doch schnell, dass die Kurische Nehrung eine lange Zeit deutsches Territorium war. Mit seinem gebrochenen Deutsch uns seiner liebevollen Art hilft er uns auf die Sprünge und schon bald können wir es uns in unserer Stube gemütlich machen. ´Auf gute Nachbarschaft´- wie schön es doch ist, hier zu sein.


Tag 10:

Nida ist die größte Siedlung auf der Kurischen Nehrung. Ursprünglich war Nida ein Fischerdorf, heute lebt das Dorf mehr vom Tourismus. Beim Frühstück auf der kleinen Veranda liegt die See ganz ruhig vor uns. Wir machen uns auf den Weg die Landschaft zu erkunden und über Treppen erreichen wir die 52m hohe Spitze einer gewaltigen Sanddüne (Parnidis-Düne), die sich weit erstreckt, sogar bis hin zur russischen Grenze. An den Stränden halten wir Ausschau nach Bernstein. Wir besuchen den Leuchtturm von Nida und am Nachmittag setzen wir  uns ins Auto um einmal bis Russland zu fahren, für die Überfahrt fehlt uns aber natürlich das Visum.

Die Kurische Nehrung ist der perfekte Ort die Seele baumeln zu lassen und den Alltag von zu Hause für einige Tage vollkommen zu vergessen. 


Tag 11:

Nida - Kap Kolka = 350 km, 5 Stunden 20 Minuten

Das Kap Kolka war zur Sowjetzeit militärisches Sperrgebiet, der Küstenstreifen wurde somit nicht besiedelt und wirkt heute einsam. Auch hier ist der Strand wieder einmalig, er ist breit und weiß. Ein wenig macht sich hier tatsächlich das Gefühl breit am Ende der Welt zu sein. Da uns der Flieger am nächsten Tag bereits schon wieder nach Hause bringt, sind wir am Kap bereits nahe Riga und übernachten im Holiday House Usi


Tag 12:

 

 

Kap Kolka - Schloss Rundale - Jurmala - Riga = 440 km, 4 Stunden 40 Minuten

Auf dem Weg nach Riga machen wir noch einen Umweg und besuchen das Schloss Rundale. Die Attraktion Lettlands umfasst ganze 138 Räume. Oh man, wer hat, der hat ;).

Am Strand von Jurmala tummelt sich die russische Elite. Ich fühle mich etwas underdressed und merke schnell, dass in dieser Stadt das Geld sitzt. Hier flanieren die Reichen und Schönen- und joa... ICH :D. 

Aber nun ist es soweit, der Mietwagen wird abgegeben und ein jeder Urlaub geht zu Ende.

Mit dem Flugzeug geht es ab die Post nach Hause. 



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Fazit:

Das schöne Baltikum! Vor einiger Zeit hat man noch nicht viel von den Perlen des Ostsee gehört. Lettland, Litauen und Estland, alles drei Länder, die sich für mich sehr gleichen und dennoch unbedingt sehenswert sind. Die Länder haben eine Vielfalt an Natur, an grandios schönen Stränden und Städten zu bieten. Das Leben hier ist eher einfach und doch wunderschön. Seit 2014 kann man überall im Baltikum mit dem Euro zahlen, was das Reisen ordentlich vereinfacht. Die Infrastruktur ist super, alles ist leicht zu erreichen und gut beschildert.

Das Essen ist deftig, Hausmannskost steht häufig auf dem Programm. Und vieles hier wird mit frischen Dill gewürzt.

Ich bin gemeinsam mit meiner Freundin verreist und wir haben uns zu einem Großteil selbst versorgt, sprich wir haben am Abend häufig selbst eine Kleinigkeit gekocht. Zumeist einmal am Tag waren wir dennoch etwas snacken oder auch essen. Viele Menükarten, vor allem in den großen Städten, sind übersichtlich mit Allergenen gekennzeichnet und ich hatte das Gefühl, dass sich die Menschen in Restaurants, die Kellner und Köche, auch hier wieder mehr mit glutenfreier Ernährung beschäftigen als in Deutschland. Da die Preise so angenehm günstig sind, bin ich häufig nicht drumherum gekommen zu dem Hauptgericht noch eine Vor- und/oder Nachspeise auszuwählen. Es war jedes Mal ein Genuss. Leider liegt die Reise schon etwas zurück und ich kann kaum noch Namen der besuchten Restaurants nennen. Frischer Fisch, viel Lachs und Dinge wie eingelegte Gurken oder Kartoffelpuffer (auch glutenfrei) stehen häufig auf der Speisekarte. 

Die Reisezeit im September/Oktober war gut gewählt. Es herrschte wenig Tourismus, viele Orte schienen wie verlassen, doch ich mag es so. Die Sonne war noch angenehm warm und mit einer leichten Jacke war man passend gekleidet. 

Auf, auf, macht euch auf den Weg in den Osten! Ich weiß, dass es mich sicherlich noch einmal in die Nähe ziehen wird, dann geht es aber vielleicht noch etwas weiter, zu den Matrjoschka nach Russland :).