Österreich- Kurven im Pulverschnee

1 Woche Österreich

Bocholt - Schladming - Bocholt = 1810 km 

 


Jeder, der von uns schonmal im Skiurlaub war, weiß dass sich die Tage beim Skifahren ziemlich ähneln. Und am Ende des Urlaubs sind die einzelnen Ereignisse den unterschiedlichen Tagen kaum zuzuordnen, alles ist EINS. Erinnerungen an ein tolles Gesamtpaket.

Ich versuche euch also den Gesamteindruck dieser Woche zu schildern. 

 

Nachdem ich im letzten Jahr nach einer langen Zeit mal wieder für eine gesamte Woche im Schnee war, wusste ich: Das möchte ich dieses Jahr wieder! 

Also ging der Wecker mitten in der Nacht, ich leere das Wasser meiner noch so mollig temperierten Wärmeflasche und lege sie meinem Gepäck bei, springe unter die Dusche, bereite mir einen Coffee to go und dann ist es schon so weit. Vor der Türe warten Freunde voller Vorfreude auf eine tolle gemeinsame Zeit. 

Es macht Sinn so früh wie möglich aus NRW loszufahren, um dem großen Verkehrsaufkommen möglichst zu umgehen. Und ebenfalls macht es Sinn, wenn ihr darauf achten möchtet, erste Einkäufe bereits aus der Heimat mitzunehmen, denn immer wieder bemerke ich: Lebensmittel sind in Deutschland so günstig wie nirgendswo anders!

Da wären wir nun auf der Autobahn, eine Baustelle jagt die nächste, es ist dunkel und mit meiner Sammlung an Sanifar-Bons habe ich mittlerweile schon den Kaffee für Rückfahrt zusammengesammelt ;). Und dann hinter München wird es heller, der Chiemsee liegt ruhig neben uns und endlich kommen die ersten Bergspitzen zum Vorschein...Schnee bedeckt. 

 

Unser Ziel ist Schladming. Schladming ist eine kleine Gemeinde in der Steiermark mit knapp 7000 Einwohnern, wenn man die Touristen außenvor lässt. Von der Hauptverkehrsstraße aus, lässt sich von oben auf Schladming hinunter sehen. Die große gelbe Kirche sticht sofort ins Auge und ist der Mittelpunkt der Stadt. Es kommen Erinnerungen auf. Bereits als Kind habe ich einen Teil meiner Urlaube mit der Familie in diesem Ort verbracht, hier war es als wir in der Nacht der Währungsumstellung fast hätten unser Essen nicht bezahlen können, weil der Bankomat kein Geld auszahlen konnte. Und als Jugendlicher haben wir hier mit einer bunten Truppe von Freunden Bars erkundschaftet, die es wohl schon lange nicht mehr gibt. 

 

Wir beziehen unser sehr kleines, aber feines Appartement bei ´Die Bergerin´ mitten im Zentrum und schräg gegenüber der Gondelstation hoch zur schönen Planai. Die Jungs holen einen Kasten Bier aus dem Supermarkt, der Kaffee plätschert in die Kanne, Plätzchen kommen auf den Tisch und wir kommen langsam an. 

 

Achso, fast hätte ich es vergessen zu erwähnen. Der Eierlikör aus dem Thermomix darf auf dieser Reise gewiss nicht fehlen. :) Auf eine tolle Zeit. 

Am Morgen klingelt der erste Wecker um 6.30 Uhr. Arbeitsaufteilung ist angesagt. Wer geht Brötchen holen? Wer setzt den Kaffee auf? Wer hat die Eier im Blick? Und die wichtigste Frage: Wer geht wann ins Bad? Herrlich :). 

Das Team hat sich schnell eingespielt, sodass jeder Tag mit einem gemütlichen und ausgedehnten Frühstück begonnen werden konnte. Im Hintergrund dudelt das Panorama-TV und wie es immer so ist, sieht die Wetterlage in jedem anderen Skigebiet besser aus als in unserem. Neeein, aber wir dürfen nicht meckern. Das Wetter war top.

Von insgesamt sechs Skitagen hatten wir zwei Tage mit Schneefall und vier Tage Kaiserwetter. 

Die Gondel wird zur nächsten Saison erneuert, wodurch hoffentlich auch Wartezeiten am Morgen umgangen bzw. anders gelöst werden, um noch schneller auf den Berg zu gelangen.

Wenn man es dick eingepackt, mit Ski und Skistöcken in den Händen, Helm und Brille auf dem Kopf und baumelnden Handschuhen schon bis zur Gondel geschafft hat, hat man die körperlich anstrengendste Prozedur für den Tag bereits geschafft :). Dann kommt die 15 minütige Bergfahrt doch gerade recht. 

Die Bergstation liegt auf 1830m Höhe. 

Oben angekommen steig ich in den Ski und hach, zu Beginn am Tag sind die Pisten einfach nur toll.

Die Menschenmassen verteilen sich gleich auf die vielen Piste und die insgesamt vier Berge.

Der Hauser Kaibling, die Planai, der Hochwurzen und die Reiteralm

 

Die Luft auf dem Berg ist gleich anders. Tief ein- und ausatmen macht hier richtig Spaß, bei teils

-8 Grad ist es knackig kalt und die Aufgabe des Tages besteht darin die Füße und Finger bloß nicht kalt werden zu lassen. Ist dies einmal passiert, hat man verloren :). 

 

 

Auf dem Berg fühlt man sich frei, die Ruhe beim Fahren, von Kurve zu Kurve, die Sonne die einen entgegenblitzt und die eigene Gewalt über die Ski, die Geschwindigkeit, die Verantwortung für sich und andere. Wie schön ist das bitte?

 

Mal ist man mutiger, mal ist man ruhiger. Mal sind die Pisten flach und frisch planiert. Gerade am Nachmittag werden die Pisten aber auch schonmal von einer akkuraten Hügellandschaft verziert. Eine Freude für die Knie.  

 

Und das wirklich großartige Panorama versetzt mich jedes Jahr aufs Neue ins Staunen. Die Bergriesen, die einem zu Füßen liegen, über und über besetzt mit Schneemassen. 

 

Gleichzeitig merkt man aber auch schnell wie unberechenbar die Natur ist. Überall stehen Hinweisschilder mit Lawinengefahr, auf abseits markierten Pfaden ist das Fahren tabu.

An den zwei Tagen mittig der Woche, an denen viel Schnee gefallen ist, war auch der Wind ordentlich zu Gange. Oben auf der Spitze, wehte der Schnee über den Boden, aufgrund des tosenden Geräusches war kaum ein Wort zu verstehen und ich muss mich darauf konzentrieren stehen zu bleiben und nicht einfach umzufallen, weil der Wind mich packt. Das gelang mir in einem Moment nicht und man bekommt zu spüren, dass der Respekt gegenüber der Natur berechtigt ist.  

 

Mir persönlich haben die Pisten und Lifte am Hauser Kaibling am Besten gefallen. Die Pisten dort sind steil, aber breit, sodass genügend Möglichkeit besteht anderen Sportlern aus dem Weg zu gehen. 

 

Unsere Brotzeit hatten wir jeden Tag im Gepäck, ein geschmiertes Brötchen vom Morgen und einen Müsliriegel. Zu gestehen ist an dieser Stelle aber, dass die Gerichte auf der Hütte doch immer ziemlich verlockend gerochen haben. So gab es zum Holunder-G´spritzt manchmal nicht nur einen Cappuccino oder eine Heiße Schokolade mit Schlagobers, sondern auch noch einen kleinen Snack. 

Unzählige Hütten und auch Restaurants im Ort haben ihre Speisekarte mit Allergenen gekennzeichnet, wie z.B. die Krumholzhütte. Jeder, der die österreichische Küche kennt, weiß, dass diese nicht gerade für Zöliakiebetroffene gemacht ist... Kasnockerl, Kaiserschmarrn, Fritattensuppe...all die Köstlichkeiten bleiben uns wohl vorbehalten. Dennoch gibt die Ausschreibung ein gutes Gefühl, eine Portion Pommes, Berner Würstel, Salate und Ofenkartoffel sind doch eine gute Alternative :). 

 

Zurück von der Piste, wurden die Skischuhe erst einmal wieder fleißig bis zum nächsten Tag verbannt, es gab einen hastigen Kaffee, einen Eierlikör und jeden Tag aufs neue die Entscheidung gemütlich oder Après-Ski???

 

Wir kochten uns immer was leckeres im Appartment, jeder war mal dran und einfache Gerichte wurden als Festmahl gefeiert.

Après Ski ist in Schladming ein Vergnügen. Drei Möglichkeiten bieten sich hier vor allem an: 

- Das Almrausch auf dem Berg. Der gläserner Pavillon mit Dach zum Öffnen füllt sich täglich bereits ab 13 Uhr.

- Die Tenne hat Liveauftritte von Stars wie Olaf Henning und Micky Krause im Programm. Sie liegt direkt am Fuße der Talabfahrt am Planai Stadion und ist nicht zu übersehen.

- Der Platzhirsch ist direkt gegenüber der Gondelstation. Hier ist das Publikum durchschnittlich auf jeden Fall älter als in der Tenne und die ein oder andere Champagner-Flasche geht hier über den Tisch. 

Wir blieben dann doch lieber beim Bier und Spritzer, hatten gemeinsam Spaß, machten nette Begegnungen und das Lied ´Hurra die Gams´ verfolgte mich wohl noch Tage nach dem Urlaub. 


Fazit:

Das Fazit von einer Woche Skifahren?

Für mich ist Skiurlaub immer wieder ein toller Einstieg zu Beginn des Jahres, in der sonst doch oft so ´toten Zeit´. Hier kann man das Aktiv sein mit der Natur und dem Spaßfaktor beim Après-Ski vereinen. Man geht Abends früh schlafen, früh am Morgen klingelt der Wecker, man fühlt sich verausgabt und ausgelassen im positiven Sinne. Urlaube wie diese machen mich richtig zufrieden.

Die An- und Abfahrt ist immer wieder eine kleine Prozedur und doch ein Spaß im bis obenhin zugepackten Auto.

In Österreich scheint man sich gut mit Zöliakie auszukennen, die Sprache bringt kaum Hürde mit sich und das Leben mit Einschränkung ist in diesem Land kein Problem. Die Supermärkte sind bezüglich glutenfreier Produkte genauso gut aufgestellt wie wir es in Deutschland gewohnt sind.  

Ich persönlich bin eher Fan vom Skigebiet in Saalbach. Man merkt, dass dort in den letzten Jahren mehr in den Wintersport investiert wurde und die Anlagen und Pisten sind auf dem neuesten Stand. Aber das ist Meckern auf hohen Niveau. Wenn man mit den richtigen Menschen unterwegs ist, ist es fast ganz egal, wo man die Pisten hinunterdüst und sich den Wind um die Ohren/den Helm pusten lässt. Ski heil- nächstes Jahr wieder!